Für Einsteiger / Erfahrungsberichte

Hier möchte ich einen kleinen Einblick in die Hamsterhaltung geben und euch Faktenwissen sowie die artgerechte Haltung näher bringen. Eine Check-Liste mit all' den Dingen die ein Hamster (& sein Halter) braucht, gibt es hier.

 

Fangen wir an mit den Kleinsten: Den Jungtieren.

Nach einer Tragzeit von 16-19 Tagen kommen die Kleinen, nackten und blinden, Hamsterkinder auf die Welt. Nach durchschnittlich der ersten Lebenswoche lässt sich die Fellfarbe bestimmen. Zwischen dem 14-16 Tag öffnen die Kleinen zum ersten Mal die Augen und fressen bereits selbstständig. Auch kleinere Spaziergänge werden bereits getätigt und das Gehege vorsichtig erkundet. Mit 3. Wochen sind die Kleinen komplett selbstständig. Mit 28 Tagen werden die Jungtiere dann nach Geschlechtern getrennt, Männchen ziehen in eine "Männer-WG", Weibchen bleiben bei der Mama insofern sie die Kleinen noch duldet.

Mit der beendeten 6. Lebenswoche haben sie ein Gewicht von ca. 80-100g und dürfen in ihr neues Zuhause ziehen.

 

Auch wenn meine Jungtiere bereits früh an die Hand und den Menschen gewöhnt werden, kann ich zum Zeitpunkt der Abgabe keine Garantie für zahme und zutrauliche Tiere geben. Der Prozess der "Zähmung" (wobei ich das ungern so nenne), ist ein langer und zeitintensiver Prozess.

Der Umzug in ein neues Zuhause und die damit verbundene Änderung von Umgebung, Gerüchen, Lauten und auch Menschen ist eine Stress-Situation für die Tiere.

Im neuen Zuhause darf aber mit dem Hamster geredet und Futter aus der Hand angeboten werden, so fasst das Tier Vertrauen und gewöhnt sich an die neue Umgebung.

Wichtig ist, das man den Hamster nicht "zwingt" zutraulich zu werden. Jedes Tier braucht seine Zeit im neuen Zuhause anzukommen und aus Erfahrung weiß ich, das die Neugier der meisten Hamster siegt und schnell Vetrauen gefasst wird. (Geheimtipp: Frischfutter! Nur selten kann ein Hamster dem wiederstehen, einfach aus der Hand anbieten. )

 

Den Auslauf in einem abgetrennten Bereich kennen meine Tiere bereits. Ich setze mich gerne mit auf eine Seite in den Auslauf, so können die Kleinen selbst entscheiden ob sie den Kontakt zu mir suchen. Das Umsetzen von Gehege in den Auslauf und andersherum erfolgt anfangs mit einem "Hamster-Taxi". Dies ist ein Gefäß, bzw. ein Versteck welches den Jungtieren vertraut ist (also im Gehege stand). Dieses wird auf die Seite gedreht, die Kleinen gehen hinein, und werden so sicher transportiert. Der bekannte Geruch am Versteck gibt den Hamstern Sicherheit.

Sobald volles Vertrauen aufgebaut ist, ist selbstverständlich kein Hamster-Taxi mehr nötig.

 

Zum Punkt Fütterung & Ernährung:

Von Anfang an und durchgehend bis zur Abgabe wird ein hochwertiges Trockenfutter aus vielen Saaten, Blüten und Kräutern sowie Eiweißen in Form von Mehlwürmern gefüttert. Zusätzlich gibt es im Gehege viel an Erlebnisfutter: Von Dari-Kolben, über Flachssaaten, bis hin zu Hirse, Sonnenblumenköpfen und Weizenähren. Bei der Abgabe sind die Kleinen aber auch an jegliches Gemüse und Obst gewöhnt. Letzteres gibt es allerdings nur in kleinen, portionierten Mengen.

 

Wassernapf oder Trinkflasche? - Ein umstrittenes Thema!

Es wird behauptet, dass Hamster beim trinken aus der Flasche eine unnatürliche Haltung annehmen, und sich daher ein Napf besser eignet.

Grundsätzlich gilt aber folgendes: Goldhamster trinken in der Natur hauptsächlich von Tautropfen auf Blättern, Blüten und Grashalmen. Dementsprechend haben sie hierbei eine aufrechte Haltung beim trinken.

Aber auch von Wasseransammlungen auf der Erde nehmen sie Wasser auf. Daher eignet sich schlussendlich die Trinkflasche (bitte in guter Höhe im Gehege anbringen) ebenso wie der Napf.

Meine Tiere kennen zum Zeitpunkt der Abholung beides - Napf und Trinkflasche -.

 

Aufstehzeiten. Oft bekomme ich Anfragen, der zukünftige Hamster sollte doch bitte vor 18 Uhr ausfstehen damit man auch etwas von ihm hat. Grundsätzlich kann ich bei Jungtieren aber ausschließlich eine Tendenz zu Aufstehzeiten mitteilen. Da die Tiere oftmals dem Prinzip "Gruppenzwang" folgen, d.h. sobald ein Jungtier das Nest verlässt, der Rest der Bande natürlich hinterher muss um zu schauen was vor sich geht, sind Aufstehzeiten nur schwer zu garantieren.

Bei "älteren" (ab ca. 8 Wochen) Tieren ist das anders, hier leben die Tiere schon alleine in ihrem eigenen Reich und müssen sich mit niemandem etwas teilen - hier kann ich oftmals sehr zuverlässige Aufstehzeiten mitteilen.

 

Die artgerchte Haltung! - Gehegeausstattung.

Goldhamster legen in der Natur mehrere Kilometer in einer Nacht zurück, buddeln und sammeln Futter. Wie ermöglicht man also einem Hamster ein artgerchtes Leben in einem Gehege?

Ein Goldhamstergehege sollte mind. (!), größer ist immer besser, 100x50x50cm betragen.

An dieser Stelle empfehle ich aber gleich Gehege mit den Maßen 120x60x60cm. In größeren Gehegen ist es einfacher alles an Inventar unterzubringen was man benötigt, der Hamster kann besser und mehr buddeln und man kann viel mehr einstreuen.

Um den enormen Bewegungsdrang nachzugehen, sollte ein Laufrad auf gar keinen Fall fehlen! Dieses sollte mindestens einen Durchmesser von 27cm haben und im besten Fall eine angenehme Lauffläche, d.h keine Gitter oder Holzstreben besitzen. In der Check-Liste gibt es Links zu artgerechten Laufrädern.

Um der Fellpflege gerecht zu werden, muss ein Sandbad mit Chinchillasand zur Verfügung gestellt werden. Dieses sollte regelmäßig ausgesiebt werden da oft Streu hereinfällt aber auch kleine sowie große Geschäfte hier verrichtet werden (könnten).

Ein Mehrkammernhaus ähnelt dem Hamsterbau aus der Natur. Meiner Meinung nach ist es aber kein muss in der Hamsterhaltung, da sich viele Tiere ihren eigenen unterirdeschen Bau anlegen und das Haus ggf. nur als Toilette o.ä. nutzen (wenn überhaupt). Meine Tiere haben teilweise Häuser, teilweise aber leben sie eher unterirdisch.

Versteckmöglichkeiten: Hier eignen sich Weinreben sowie Korkröhren (-tunnel). Aber auch Keramik- bzw. Tonverstecke nehmen Hamster sehr gerne an.

 

Gehege! Terrarium - Nagarium - Aquarium oder doch Eigenbau?

Jetzt habe ich über Gehegeeinrichtung geschrieben und doch das wesentliche vergessen. Zwischen all' den Gehegen-Angeboten ist es als Anfänger nicht leicht das richtige zu finden. Ich habe an Gehegearten schon vieles in Benutzung (gehabt) und kann daher einige Pro's und Con's auflisten.

 

Glasgehege: Oftmals gibt es über diverse Kleinanzeigenportale (undichte) Aquarien in schönen Größen. Sie eignen sich super für die Hamsterhaltung da man hoch einstreuen kann, das Gehege gut zu säubern ist und der Hamster auch die Umgebung außerhalb des Aquariums gut beobachten kann. Man benötigt zusätzlich nur eine Abdeckung durch die eine gute Luftzirkulation möglich ist. Da das Gehege nur von oben zu öffnen ist, kann sich der Hamster allerdings angegriffen fühlen. 

Nagarien: Nagarien sind, wie der Name vermuten lässt, Gehege extra für Nager. Oftmals unterscheiden sie sich kaum von Aquarien. Manchmal haben Nagarien allerdings den Vorteil, das sie einen Luftschlitz oben, und Schiebetüren vorne haben. So ist der Hamster gut zu erreichen und fühlt sich nicht angegriffen. Bei guten Nagarien befindet sich die Schiebetür erst in einer Höhe von 20-30cm so das auch eine Einstreuhöhe von 20-30cm möglich ist und der Hamster buddeln kann.

Terrarien: Terrarien gibt es sowohl aus Holz als auch aus Glas. Bei den Glasgehegen ist es meist so, das sie kaum eine gute Belüftung haben, und der Sockel bis zur Schiebetür nur wenige cm beträgt. Viel Einstreuen ist hier also leider nicht möglich.

OSB-Terrarien gibt es inzwischen in vielen Größen und Variationen. Vorteil hier: Eine zusätzliche Lüftung lässt sich mittels Stichsäge und Lochblech (o. Volierendraht) leicht einbauen. Nachteil: Das Gehege muss gegen Feuchtigkeit (Pipiflecken, Wasserflecken der Trinkflasche o. des Napfs) mit Spielzeuglack (für Tiere ungiftig) geschützt werden. Als Alternative kann man das Gehege auch fliesen. Um knabbereien an den Führungsschienen der Glastüren zu vermeiden, kann man L-Profile aus dem Baumarkt befestigen. Allgemein sind OSB-Terrarien gute Hamstergehege. Alllerdings muss man hier und da etwas ausbessern bzw. versuchen langlebiger machen.

Eigenbau: Selbstverständlich ist es auch möglich ein Hamstergehege selber zu bauen. Hier kann man seiner Kreativität freien Lauf lassen und das Gehge in den Maßen bauen, wie man sie braucht. Die Materialkosten können hier stark schwanken. Darauf zu achten ist, das eine ausreichende Luftzirkulation gewährleistet ist und der Hamster keine Verletzungs- bzw. Ausbruchmöglichkeiten findet. Im Netz findet man viele schöne Beispiele für Eigenbauten.

Gitterkäfige: Käfige eignen sich nur eingeschränkt für die Haltung von Hamstern. Nachteile: Die meist zu niedrige Plastikwanne hat kaum Platz für viel Streu. Außerdem werden die Gitterstreben gerne (& ausgiebig) angenagt was eine gewisse Lautstärke erreichen kann.

 

Streu, Streu, Streu!

Von Hobelspäne über Hanfstreu und Holzstreu findet man alles. Doch was hat sich vorallem in der Hamsterhaltung bewährt?

Streu sollte nicht viel stauben und Gänge, die der Hamster sich anlegt, halten. Aus Erfahrungsberichten und eigener Erfahrung empfehle ich daher sowohl Hanfstreu als auch klassische Hobelspäne. Je nach Marke, aber auch je nach Herstellung schwanken Qualität und Stauberzeugnisse allerdings.

Damit Gänge auch wirklich halten, empfiehlt es sich Heu mit unter zu mischen bzw. zu schichten.

 

Gehegereinung:

Das Hamstergehege sollte nie ganz , außer im Krankheits- oder Todesfall, gereinigt werden. 2-3x Wöchentlich empfhielt es sich Pipiecken zu säubern, Frischfutterreste zu entfernen sowie ggf. Nestkontrollen durchzuführen. Wassernäpfe oder Trinkflaschen sollten mindestens einmal wöchentlich gründlich gesäubert werden, aber täglich auf Verunreinigungen kontrolliert werden.